Unter böhmischer Krone (1335–1526)

Als ers­ter schle­si­scher Her­zog nahm Kasi­mir II. von Cosel-Beuthen am 9. Januar 1289 frei­wil­lig die böh­mi­sche Lehen­s­ho­heit an. Nach­fol­gend wand­ten sich auch Mesko I. von Teschen und des­sen jün­ge­rer Bru­der Bolko I. von Oppeln poli­tisch Böh­men zu. Am 17. Januar 1291 hul­dig­ten sie in Olmütz dem böh­mi­schen König Wen­zel II., mit dem sie gleich­zei­tig ein Bünd­nis abschlos­sen, das einer Lehens­ver­ein­ba­rung gleich­kam. Das Bünd­nis mit Mesko war für König Wen­zel von beson­de­rer Bedeu­tung, da durch sein Gebiet die unmit­tel­bare Weg­ver­bin­dung nach Kra­kau führte, des­sen Erobe­rung bei Wen­zels Bestre­bun­gen um den pol­ni­schen Thron wich­tig war. Bolko I. von Oppeln wurde von König Wen­zel im sel­ben Jahr zum Statt­hal­ter von Kra­kau ernannt.

Johann von Luxemburg im Chronicon aulae regiae, entstanden 1305–1339 im Zisterzienser-Kloster in ZbraslavWegen des Aus­ster­bens der direk­ten Linie der Pře­mys­li­den 1306 ver­zö­gerte sich die Schle­si­en­po­li­tik der böh­mi­schen Krone, die 1311 an Johann von Luxem­burg gelangt war. Am 6. Januar 1327 über­trug der Bres­lauer Her­zog Hein­rich VI. sein Gebiet an Böh­men, im sel­ben Jahr folg­ten die rest­li­chen ober­schle­si­schen Teil­her­zog­tü­mer und 1329 die Her­zöge von Lie­gnitz, Brieg, Oels, Sagan und Steinau. 1331 hul­dig­ten die Her­zöge von Glo­gau, 1336 Her­zog Bolko II. von Mün­ster­berg und 1342 das geist­li­che Fürs­ten­tum Neisse. Erst nach dem Tod des kin­der­lo­sen Her­zogs Bolko II., des­sen Nichte Anna von Schweidnitz mit dem römisch-deutschen und böh­mi­schen König Karl IV. ver­hei­ra­tet war, fiel das Her­zog­tum Schweidnitz 1368 erbrecht­lich an Böh­men. (Bild: Johann von Luxem­burg, 1311 in Prag zum König von Böh­men gekrönt, im Chro­ni­con aulae regiae, ent­stan­den 1305–1339 im Zisterzienser-Kloster in Zbras­lav)

Im Ver­trag von Visegrád 1335, im Ver­trag von Trent­schin (1335, bestä­tigt 1339) sowie im Ver­trag von Nams­lau 1348 ver­zich­tete der pol­ni­sche König Kasi­mir III. der Große auf Ansprü­che der könig­li­chen Linie der Pia­s­ten auf das alte Her­zog­tum Schle­sien als Gegen­leis­tung für den Ver­zicht der böh­mi­schen Könige aus dem deut­schen Haus Luxem­burg auf die pol­ni­sche Krone, die sie als Erben der Pře­mys­li­den Wen­zel II. und Wen­zel III. bean­spruch­ten. Spä­ter bemühte sich Kasi­mir III., aller­dings ver­geb­lich, um eine Annul­lie­rung die­ses Ver­tra­ges beim Papst. Am 7. April 1348 inkor­po­rierte schließ­lich König Karl IV. die schle­si­schen Teil­her­zog­tü­mer, mit Aus­nahme des Her­zog­tums Schweidnitz-Jauer, in die Län­der der Böh­mi­schen Krone. Damit wurde Schle­sien mit­tel­bar ein Teil des Hei­li­gen Römi­schen Reichs, das sich ab der Zeit des Spät­mit­tel­al­ters (um 1486) Hei­li­ges Römi­sches Reich Deut­scher Nation nen­nen sollte. Da den Her­zö­gen und dem Fürst­bi­schof jedoch die Reichs­stand­schaft nicht ver­lie­hen wurde, hat­ten sie kei­nen Sitz und Stimme auf den Reichs­ta­gen und waren somit nur Böh­men unter­tan. 1372 bestä­tigte Kazi­mirs Nach­fol­ger Lud­wig I. in sei­ner Eigen­schaft als König von Polen die Trent­schi­ner Ver­zichts­er­klä­rung in vol­lem Umfang.

Zwi­schen 1331 und 1675 fie­len mit Aus­nahme des Her­zog­tums Schweidnitz-Jauer, das 1368 unmit­tel­bar erbrecht­lich an Böh­men gelangte, sämt­li­che schle­si­schen Teil­her­zog­tü­mer durch Heim­fall an die böh­mi­sche Krone. Als direk­ter böh­mi­scher Kron­be­sitz wur­den sie als Erb­fürs­ten­tü­mer bezeichnet.

Das seit 1137 zu Böh­men gehö­rende Trop­pauer Land wurde 1318 für Her­zog Niko­laus II., des­sen gleich­na­mi­ger Vater den Trop­pauer Zweig der Pře­mys­li­den begrün­det hatte, zum Her­zog­tum Trop­pau erho­ben. Nach dem Tod des Rati­bo­rer Her­zogs Lestko ver­lieh der böh­mi­sche König Johann von Luxem­burg Rati­bor 1337 an Her­zog Niko­laus II. von Trop­pau, der mit einer Schwes­ter Lest­kos ver­hei­ra­tet war. Nach­fol­gend war das Her­zog­tum Rati­bor bis zum Tod des Her­zogs Valen­tin eben­falls im Besitz der Trop­pauer Pře­mys­li­den. Durch die Per­so­nal­union mit Rati­bor erfolgte auch eine Hin­wen­dung des Her­zog­tum Trop­pau zu Schlesien.

Im 14. und frü­hen 15. Jahr­hun­dert konnte sich Schle­sien in jeder Hin­sicht unge­stört wei­ter­ent­wi­ckeln. Anfang des 15. Jahr­hun­derts ent­stan­den die Begriffe Ober– und Nieder-Schlesien. Ober-Schlesien umfasste das Gebiet des Her­zog­tums Oppeln mit sei­nen Teil­her­zog­tü­mern sowie das pře­mys­li­di­sche (Troppau)-Ratibor. Das west­li­cher lie­gende Nieder-Schlesien umfasste ent­spre­chend die Fürs­ten­tü­mer des unge­teil­ten Her­zog­tums Schle­sien ein­schließ­lich des geist­li­chen Fürs­ten­tums Neisse.

Matthias CorvinusDie gegen Katho­li­ken und Deut­sche gerich­te­ten Hus­si­ten­kriege tra­fen Schle­sien als katho­lisch und deutsch gepräg­tes Neben­land Böh­mens beson­ders hart. Men­schen– und Sied­lungs­ver­luste, wirt­schaft­li­cher Nie­der­gang und eine von den Hus­si­ten aus­ge­löste Sla­wi­sie­rungs­welle waren die Folge. Die Situa­tion ver­bes­serte sich erst 1469, als der unga­ri­sche König Mat­thias Cor­vi­nus Mäh­ren, Schle­sien und die Lau­sitz eroberte und im Frie­den von Olmütz 1479 in sei­nem Besitz bestä­tigt wurde. Mat­thias setzte einen all­ge­mei­nen Land­frie­den durch und reor­ga­ni­sierte und zen­tra­li­sierte die Lan­des­ver­wal­tung. Er schuf das Amt eines könig­li­chen Ober­lan­des­haupt­man­nes, das in der Regel der Bres­lauer Bischof inne­hatte, und Fürs­ten­tage als blei­bende Ein­rich­tung. (Bild: Mat­thias Cor­vi­nus: 1458–1490 König des König­reichs Ungarn und in Per­so­nal­union auch des König­reichs Kroa­tien und 1469–1490 König von Böh­men, zeit­ge­nös­si­sche Minia­tur, heute im Bri­ti­schen Museum, Lon­don)

Nach Cor­vi­nus’ Tod 1490 wurde Schle­sien wie­der ein Lehen des Königs von Böh­men, Ladis­laus II. aus der Dynas­tie der Jagiel­lo­nen. In der Zwi­schen­zeit fie­len die Grenz­her­zog­tü­mer Ausch­witz 1457 und Zator 1494 an Polen, Sagan 1472 an die Wet­ti­ner und Cros­sen gelangte 1482 an Bran­den­burg. Ande­rer­seits kamen die Söhne des ehe­ma­li­gen böh­mi­schen Königs Georg von Podie­b­rad, die zu Gra­fen von Glatz erho­ben wur­den, in den Besitz der schle­si­schen Her­zog­tü­mer Mün­ster­berg, Oels und Troppau.


Die­ser Arti­kel basiert auf dem Arti­kel Schle­sien aus der freien Enzy­klo­pä­die Wiki­pe­dia und steht unter der „Crea­tive Com­mons Attribution/Share Alike“. In der Wiki­pe­dia ist eine Liste der Auto­ren verfügbar.