Schlesien von den Anfängen bis zum 13. Jahrhundert

Im Ver­lauf sei­ner wech­sel­haf­ten Geschich­te hat Schle­si­en vie­le ter­ri­to­ria­le und poli­ti­sche Ver­än­de­run­gen erfah­ren. Im Mit­tel­al­ter sla­wisch und deutsch besie­delt, unter­stand das Land lan­ge der pol­ni­schen, dann der böh­mi­schen Kro­ne und war im Besitz der Habs­bur­ger. Nach den drei Schle­si­schen Krie­gen im 18. Jahr­hun­dert wur­de der weit­aus größ­te Teil Schle­si­ens bis 1945 preu­ßisch. Ein Rest ver­lieb als Öster­rei­chisch-Schle­si­en bis 1918 beim Hau­se Habs­burg.

Der Rek­tor des Bres­lau­er Maria-Mag­da­le­nen-Gym­na­si­ums Mar­tin Hel­wig (1516–1574) zeich­ne­te 1561 die ers­te Schle­si­en­kar­te.

Germanische Besiedlung

Seit frü­hes­ter vor­christ­li­cher Zeit haben zahl­rei­che Volks­grup­pen und unter­schied­li­che Kul­tu­ren den schle­si­schen Raum besie­delt. Bereits seit 4.200 v. Chr. sind ers­te Sied­lun­gen auf dem Gebiet des spä­te­ren Schle­si­ens nach­weis­bar. Um 500 v. Chr. wan­der­ten Sky­then von Osten in das damals von der Lau­sit­zer Kul­tur gepräg­te Schle­si­en ein, spä­ter Kel­ten von Süden und Süd­wes­ten. In der Völ­ker­wan­de­rungs­zeit setz­ten sich ger­ma­ni­sche Van­da­len in Schle­si­en fest, unter ihnen der Stamm der Silin­gen. In der älte­ren For­schung wur­de zumeist ange­nom­men, dass sich der Name Schle­si­en von die­sem ger­ma­ni­schen Stamm ablei­tet. Doch die Her­kunft des Namens ist umstrit­ten und wird auch mit dem Berg Zob­ten (poln. Ślęża) in Ver­bin­dung gebracht. Neue­re For­schun­gen gehen jedoch davon aus, dass sowohl der Name des Ber­ges als auch der Name Schle­si­en auf den Fluss Lohe (poln. Ślę­za) zurück­ge­hen. Nach die­sem Fluss­na­men, der noch in die Zeit vor der ger­ma­ni­schen Besied­lung zurück­reicht, benann­te sich ver­mut­lich auch der Stamm der Silin­gen.

Ab etwa 100 n. Chr. war das Gebiet des spä­te­ren Schle­si­en von den ger­ma­ni­schen Lugi­ern bezie­hungs­wei­se van­da­li­schen Silin­gen besie­delt (grü­ne Flä­che). Ab etwa 550–600 n. Chr. wan­der­ten West­sla­wen (Slensa­nen, Opola­nen) ein.

Etwa ab dem 6. Jahr­hun­dert erfolg­te die Land­nah­me durch sla­wi­sche Stäm­me. Die Anfän­ge west­sla­wi­scher Staats­bil­dung durch die Ver­ei­ni­gung von Stam­mes­ter­ri­to­ri­en unter der Herr­schaft von Fürs­ten kön­nen auf das 8./9. Jahr­hun­dert datiert wer­den.

Zwischen Böhmen und Polen

Nach wech­seln­den Herr­schaf­ten über Schle­si­en zwi­schen Böh­men und Polen gehör­te das schle­si­sche Gebiet zu Beginn des 12. Jahr­hun­derts zum
Herr­schafts­ge­biet der pol­ni­schen Pia­s­ten. Das König­reich Polen wur­de im Rah­men der 1138 ein­ge­führ­ten pol­ni­schen Seni­o­rats­ver­fas­sung in meh­re­re Her­zog­tü­mer auf­ge­teilt und Schle­si­en erhielt einen eige­nen Her­zog. Damals begann die Aus­bil­dung einer eige­nen schle­si­schen Pia­s­ten­li­nie, die sich wei­ter ver­zweig­te. 1202 erfolg­te die Tei­lung in eine nie­der­schle­si­sche Bres­lau­er Linie (Her­zog­tum Schle­si­en) und eine ober­schle­si­sche Oppel­ner Linie (Her­zog­tum Oppeln). Das Prin­zip der Erb­tei­lung führ­te bis in die Neu­zeit zu einer unüber­sicht­li­chen Viel­zahl von schle­si­schen Her­zog­tü­mern.

In Nie­der­schle­si­en ent­stan­den im Lau­fe der Jahr­hun­der­te die Her­zog­tü­mer Bres­lau, Lie­gnitz, Brieg, Wohlau, Glo­gau, Sagan, Schweid­ni­tz, Jau­er, Müns­ter­berg und Oels. In Ober­schle­si­en kommt es nach dem ers­ten Pia­s­ten Mies­ko (1163 – 1211) zu den Her­zog­tü­mern Oppeln, Rati­bor, Beu­then, Teschen, Tost und Fal­ken­berg.

Der Mongolensturm

Der Ein­fall mon­go­li­scher Hee­re im Jah­re 1241 in Schle­si­en und die mit ihm ver­bun­de­ne Ver­wüs­tung des Lan­des und mas­si­ve Dezi­mie­rung der sla­wi­schen Bevöl­ke­rung auf ein Fünf­tel schu­fen die struk­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen zur Neu­be­sied­lung des Gebiets mit deut­schen Sied­lern aus dem Hei­li­gen Römi­schen Reich. Bereits Her­zog Hein­rich I. und sei­ne Frau Hed­wig von Andechs hat­ten zu Beginn des 13. Jahr­hun­derts deut­sche Ost­sied­ler nach Schle­si­en geru­fen, um die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­kraft des Her­zog­tums zu heben. Nach dem Mon­go­len­sturm erfolg­te die von den Schle­si­schen Pia­s­ten initi­ier­te deut­sche Ost­ko­lo­ni­sa­ti­on jedoch auf brei­ter Basis. Die deut­schen Sied­ler grün­de­ten mehr als 100 neue Städ­te und über 1200 Dör­fer nach deut­schem Recht sowie vie­le Kir­chen und Hos­pi­tä­ler. Auch die ursprüng­li­chen sla­wi­schen Sied­lun­gen pass­ten sich zum gro­ßen Teil recht­lich, sozi­al und sprach­lich den deut­schen Sied­lun­gen an. Die Sied­ler stamm­ten über­wie­gend aus dem ost­frän­ki­schen Sprach­raum, aber auch aus Sach­sen, dem öst­li­chen Thü­rin­gen und aus Nie­der­ös­ter­reich, aus dem Glat­zer Land und Ober­schle­si­en sowie aus der Gegend von Ful­da in Hes­sen.

Mon­go­len­sturm: Schlacht bei Lie­gnitz 241, Dar­stel­lung aus dem 14. Jahr­hun­dert