Unter böhmischer Krone 1335–1526

Ende des 13 Jahr­hun­derts bis zur Mit­te des 14. Jahr­hun­derts erfolg­te die Los­lö­sung der schle­si­schen Her­zog­tü­mer von Polen und die Unter­stel­lung unter die Lehns­herr­schaft des Königs von Böh­men. Bereits 1289 hat­te Kasi­mir II. von Cosel-Beu­then die Lehns­ho­heit Böh­mens aner­kannt, ande­re Oppel­ner Fürs­ten waren 1292 sei­nem Bei­spiel gefolgt. 1327 unter­stell­ten sich die 17 schle­si­schen Teil­her­zog­tü­mer end­gül­tig unter die seit 1311 im Besitz des Hau­ses Luxem­burg befind­li­che Kro­ne Böh­mens.

Die Her­zö­ge der Oppel­ner Län­der und von Bres­lau (1327), von Lie­gnitz, Brieg, OeIs, Sagan und Stein­au (1329) bega­ben sich frei­wil­lig unter die Lehns­ho­heit von Johann von Luxem­burg, auch Johann von Böh­men genannt. Johann war von 1311 bis 1346 König von Böh­men, Mark­graf von Mäh­ren, Graf von Luxem­burg und Titu­lar­kö­nig von Polen von 1311 bis 1335. Er galt als die Ver­kör­pe­rung des Rit­ter­ide­als sei­ner Zeit und war ein berühm­ter Tur­nier­held.

Büs­te Johanns von Luxem­burg im Pra­ger Veits­dom

Unter Druck erreich­te König Johann die Hul­di­gung des Her­zogs von Glo­gau 1331 und von Müns­ter­berg 1336. 1342 einig­te sich auch der Bischof von Bres­lau mit dem böh­mi­schen Herr­scher und hul­dig­te ihm für das Bis­tums­land. Zuletzt kam Schweid­ni­tz-Jau­er 1386 unter böh­mi­sche Hoheit.

Im Ver­trag von Trent­schin (1335) gab der pol­ni­sche König Kazi­mir der Gro­ße alle Ansprü­che Polens auf die schle­si­schen Ter­ri­to­ri­en „auf ewi­ge Zei­ten“ auf. Mit dem Ver­trag wur­de die poli­ti­sche Tren­nung Schle­si­ens von Polen fest­ge­legt. Der Ver­trag wur­de 1339 in Kra­kau rati­fi­ziert. Kazi­mirs Nach­fol­ger Lud­wig I. bestä­tig­te 1372 in sei­ner Eigen­schaft als König von Polen die Trent­schi­ner Ver­zichts­er­klä­rung in vol­lem Umfang. Die mit dem Ver­trag fest­ge­leg­ten schle­sisch-pol­ni­schen Gren­zen blie­ben weit­ge­hend bis 1945 bestehen.

Zwi­schen 1331 und 1675 fie­len sämt­li­che schle­si­schen Teil­her­zog­tü­mer durch Heim­fall an die böh­mi­sche Kro­ne. Als direk­ter böh­mi­scher Kron­be­sitz wur­den sie als Erb­fürs­ten­tü­mer bezeich­net. Obwohl Böh­men zum Hei­li­gen Römi­schen Reich deut­scher Nati­on gehör­te, wur­den die schle­si­schen Her­zö­ge nicht Reichs­fürs­ten, sie waren nur Böh­men unter­tan.

Im 14. und frü­hen 15. Jahr­hun­dert konn­te sich Schle­si­en in jeder Hin­sicht unge­stört wei­ter­ent­wi­ckeln. Anfang des 15. Jahr­hun­derts ent­stan­den die Begrif­fe Ober- und Nie­der­schle­si­en. Ober­schle­si­en umfass­te das Gebiet des Her­zog­tums Oppeln mit sei­nen Teil­her­zog­tü­mern sowie das pře­mys­li­di­sche (Troppau)-Ratibor. Das west­li­cher lie­gen­de Nie­der­schle­si­en umfass­te ent­spre­chend die Fürs­ten­tü­mer des unge­teil­ten Her­zog­tums Schle­si­en ein­schließ­lich des geist­li­chen Fürs­ten­tums Neis­se.

Die gegen Katho­li­ken und Deut­sche gerich­te­ten Hus­si­ten­krie­ge tra­fen Schle­si­en als katho­lisch und deutsch gepräg­tes Neben­land Böh­mens beson­ders hart. Men­schen- und Sied­lungs­ver­lus­te, wirt­schaft­li­cher Nie­der­gang und eine von den Hus­si­ten aus­ge­lös­te Sla­wi­sie­rungs­wel­le waren die Fol­ge. Die Situa­ti­on ver­bes­ser­te sich erst 1469, als der unga­ri­sche König Mat­thi­as Cor­vi­nus Mäh­ren, Schle­si­en und die Lau­sitz erober­te und im Frie­den von Olmütz 1479 in sei­nem Besitz bestä­tigt wur­de. Mat­thi­as setz­te einen all­ge­mei­nen Land­frie­den durch und reor­ga­ni­sier­te und zen­tra­li­sier­te die Lan­des­ver­wal­tung. Er schuf das Amt eines könig­li­chen Ober­lan­des­haupt­man­nes, das in der Regel der Bres­lau­er Bischof inne­hat­te, und Fürs­ten­ta­ge als blei­ben­de Ein­rich­tung.

Nach Cor­vi­nus’ Tod 1490 wur­de Schle­si­en wie­der ein Lehen des Königs von Böh­men, Ladis­laus II. aus der Dynas­tie der Jagiel­lo­nen. In der Zwi­schen­zeit fie­len die Grenz­her­zog­tü­mer Ausch­witz 1457 und Zator 1494 an Polen, Sagan 1472 an die Wet­ti­ner und Cros­sen gelang­te 1482 an Bran­den­burg. Ande­rer­seits kamen die Söh­ne des ehe­ma­li­gen böh­mi­schen Königs Georg von Podieb­rad, die zu Gra­fen von Glatz erho­ben wur­den, in den Besitz der schle­si­schen Her­zog­tü­mer Müns­ter­berg, Oels und Trop­pau.