Berliner Erklärung“ der Landsmannschaft Schlesien

Am 12. Juni 2026 trat die Bundesdelegiertenversammlung/Schlesische Lan­des­ver­tre­tung, das höchs­te Gre­mi­um der Lands­mann­schaft Schle­si­en, Nie­der ‑und Ober­schle­si­en e.V., im Paul-Löbe-Haus in Ber­lin zusam­men. Im Rah­men der Bun­des­de­le­gier­ten­ver­samm­lung wur­de zwei­er Ereig­nis­se gedacht:

  • 80 Jah­re Ver­trei­bung durch die Ope­ra­ti­on „Schwal­be“
  • 35 Jah­re Deutsch-Polnischer-Nachbarschaftsvertrag

 Aus die­sem Anlass ver­ab­schie­de­ten die Dele­gier­ten nach­ste­hen­de Erklärung:

Vor nun­mehr 80 Jah­ren muss­ten im Rah­men der Ver­trei­bung die meis­ten Schle­si­er ihre ange­stamm­te Hei­mat ver­las­sen. Dies führ­te maß­geb­lich zur Grün­dung unse­rer Lands­mann­schaft und bestimmt bis heu­te unse­re Arbeit.

Aller­dings sind seit den Tagen der Ver­trei­bung die Mehr­zahl der unmit­tel­bar Betrof­fe­nen nicht mehr unter uns. Geblie­ben ist jedoch auch bei vie­len Nach­kom­men ein geschärf­tes Unrechts­be­wusst­sein im Blick auf Ver­trei­bun­gen und die Lie­be zur Hei­mat der Vor­fah­ren, zu Schlesien.

Als Lands­mann­schaft haben wir aber auch Lern­pro­zes­se durch­lau­fen. Durch das am eige­nen Lei­be erfah­re­ne Unrecht konn­ten die Betrof­fe­nen viel zu oft das Leid der ande­ren Sei­te nicht genü­gend wür­di­gen. Heu­te machen wir uns stär­ker bewusst, dass auch vie­le der damals in Schle­si­en neu­an­ge­kom­me­nen Men­schen ein schwe­res Schick­sal hin­ter sich hat­ten, zuwei­len selbst Ver­trie­be­ne waren und häu­fig auf bit­te­re Erfah­run­gen mit der deut­schen Besat­zungs­macht zurückblickten.

Vor einem sol­chen Hin­ter­grund ist das zwei­te Ereig­nis ein sehr erfreu­li­ches: die 35-jäh­ri­ge Wie­der­kehr der Unter­zeich­nung des deutsch-pol­ni­schen Nach­bar­schafts­ver­tra­ges. Gott­lob ist die­ser Ver­trag kei­ne blo­ße Absichts­er­klä­rung geblie­ben, son­dern an vie­len Stel­len mit Leben erfüllt wor­den. Dar­an waren die Schle­si­er nicht unbe­tei­ligt. Aber auch hier haben wir als Lands­mann­schaft einen Lern­pro­zess durch­lau­fen. Wir erken­nen vor­be­halt­los an, dass die Nach­kom­men der Fami­li­en, die nach dem 2. Welt­krieg nach Schle­si­en kamen, sich inzwi­schen dort behei­ma­tet haben und zu einem gro­ßen Teil Schle­si­en so lie­ben wie wir. Dies schafft eine natür­li­che Ver­bun­den­heit zwi­schen uns, die es uns erleich­tert, zusam­men mit den pol­ni­schen Schle­si­ern für unse­re gemein­sa­me Hei­mat zu arbei­ten. Wir hof­fen, dass die­ses beid­sei­ti­ge Stre­ben noch stär­ker als bis­her schon zu einer zwi­schen­mensch­li­chen Ver­bun­den­heit führt. 

Als Lands­mann­schaft wol­len wir unse­re Arbeit in Zukunft noch stär­ker in die­se Rich­tung len­ken. Damit ver­bin­den wir auch die Hoff­nung auf ein gutes Ver­hält­nis zu den offi­zi­el­len Stel­len im jetzt pol­ni­schen Schle­si­en. Sicher exis­tie­ren auf bei­den Sei­ten hin und wie­der Miss­ver­ständ­nis­se. Und eben­so ist uns im pol­ni­schen Teil Schle­si­ens man­ches fremd gewor­den. Aber mit der Hil­fe unse­rer pol­ni­schen Lands­leu­te in Schle­si­en sind wir gewiss, dass bestehen­de Miss­ver­ständ­nis­se abge­baut wer­den kön­nen und aus Fremd­heit Ver­ständ­nis erwächst.