Weihnachts- und Neujahrsgruß : Gemeinsam für Schlesien — auch 2016!

Von Ste­phan Rau­hut, Bun­des­vor­sit­zen­der der Lands­mann­schaft Schle­si­en

Lie­be Lands­leu­te,
lie­be Freun­de Schle­si­ens,

hin­ter uns liegt das Jahr 70 nach den Ver­trei­bun­gen und nach dem Unter­gang des alten deut­schen Schle­si­ens. Vor 65 Jah­ren durf­te sich erst 5 Jah­re nach Beginn der Ver­trei­bun­gen unse­re Lands­mann­schaft Schle­si­en grün­den. Für den Erhalt unse­rer Iden­ti­tät, unse­rer Kul­tur und für die Erin­ne­rung an die furcht­ba­ren Ver­trei­bungs­ver­bre­chen war und ist unse­re Lands­mann­schaft erfor­der­lich! Für das Wei­ter- und Wie­der­be­le­ben des deut­schen Stam­mes der Schle­si­er in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und in Schle­si­en dies- und jen­seits der Gör­lit­zer Nei­ße ist auch künf­tig eine star­ke Lands­mann­schaft Schle­si­en unver­zicht­bar.

Leben­di­ges Schle­si­er­tum konn­ten wir im ver­gan­ge­nen Jahr mehr­fach ein­drucks­voll erle­ben. Das Deutsch­land­tref­fen der Schle­si­er im Juni 2015 in Han­no­ver war ein gro­ßer Erfolg. Her­vor­ra­gen­de Stim­mung, befrie­di­gen­de Besu­cher­zah­len, Schle­si­er aus ganz Euro­pa und eine aus­ge­zeich­ne­te Orga­ni­sa­ti­on durch unse­re Bun­des­ge­schäfts­füh­rung lie­ßen fast alle Unken­ru­fer eines Endes der gemein­sa­men Deutsch­land­tref­fen ver­stum­men. Gro­ße Wall­fahr­ten zu Ehren der nicht nur in Ober­schle­si­en sehr ver­ehr­ten Hei­li­gen Anna in Vel­bert-Nevi­ges, Alt­öt­ting oder Hal­tern sowie die inzwi­schen tra­di­tio­nel­le Min­der­hei­ten­wall­fahrt am hei­li­gen ober­schle­si­schen Anna­berg zeig­ten, dass es mög­lich ist, jung und alt, Ost und West zusam­men­zu­brin­gen und schle­si­sche Tra­di­ti­on zu leben und zu pfle­gen.

Das groß­ar­ti­ge Kul­tur­fes­ti­val der deut­schen Min­der­heit in der Jahr­hun­dert­hal­le in Bres­lau mit sicher 7 bis 8.000 Teil­neh­mern ver­deut­lich­te die grenz­über­schrei­ten­de, euro­päi­sche Dimen­si­on unse­res Schle­si­ens.

Und das waren nur eini­ge der schle­si­schen Groß­ver­an­stal­tun­gen im Jahr 2015. Zusätz­lich gab es in der Bun­des­re­pu­blik und in Schle­si­en hun­der­te wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen und Zusam­men­künf­te von Schle­si­ern. Schle­si­sche Kul­tur­ta­gun­gen der Lands­mann­schaft, wie in Wies­ba­den-Nau­rod, in Duder­stadt oder im Haus Schle­si­en. Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wie das Schle­si­sche „Sum­mer­sin­gen“. Gro­ße und klei­ne Ver­an­stal­tun­gen, Märk­te, Got­tes­diens­te, Vor­trä­ge zum Tag der Hei­mat oder musi­ka­li­sche Ver­an­stal­tun­gen, wie die des „Arbeits­krei­ses Schle­si­scher Musik“ auf Schloss Wichels­dorf in Schle­si­en. Nicht zu ver­ges­sen sind die beson­de­ren Gedenk­ver­an­stal­tun­gen, Got­tes­diens­te und Vor­trä­ge zum 100. Geburts­tag unse­res lang­jäh­ri­gen Bun­des- und Ehren­vor­sit­zen­den Dr. Her­bert Hup­ka in Mün­chen, Bonn oder Düs­sel­dorf.

Erst­mals fand im ver­gan­ge­nen Jahr eine Gedenk­ver­an­stal­tung zum neu­en natio­na­len Gedenk­tag für die Opfer von Flucht und Ver­trei­bung in Ber­lin statt. Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck hat in bis­her nie dage­we­se­ner Wei­se eine sehr empa­thi­sche Rede für die Ver­trie­be­nen gehal­ten. Dass in den bun­des­deut­schen Medi­en die­ser Schwer­punkt der Rede weit­ge­hend unter­ging, zeigt, wie wich­tig unse­re lands­mann­schaft­li­che Arbeit bleibt, um ins Bewusst­sein des gesam­ten deut­schen Vol­kes zurück­zu­keh­ren.

Anfang Novem­ber wur­de eine lang­ge­heg­te For­de­rung durch den Haus­halts­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf den Weg gebracht: Die Ent­schä­di­gung der deut­schen Zwangs­ar­bei­ter mit 50 Mil­lio­nen Euro in den nächs­ten drei Jah­ren. Nun gilt es gemein­sam mit der Lands­mann­schaft der Ober­schle­si­er und den wei­te­ren Lands­mann­schaf­ten, die im Arbeits­kreis deut­scher Zwangs­ar­bei­ter mit­ar­bei­ten, dafür zu sor­gen, dass eine schnel­le und unbü­ro­kra­ti­sche Aus­zah­lung an die Opfer und deren Hin­ter­blie­be­nen erfolgt.

Den Schwung des ver­gan­ge­nen Jah­res gilt es zu nut­zen für das kom­men­de Jahr. Es muss uns gemein­sam gelin­gen, die Struk­tu­ren unse­rer Lands­mann­schaft Schle­si­en auf die Zukunft vor­zu­be­rei­ten. Die Mit­glie­der­zah­len man­cher Lan­des­grup­pen schrump­fen rapi­de, weil man­che Leis­tungs­trä­ger der Erleb­nis­ge­nera­ti­on sich aus­schließ­lich auf das Bewah­ren der Erin­ne­rung kon­zen­triert haben. Erin­ne­rung wird in Zukunft nur mög­lich sein, wenn noch Men­schen da sind, die die Erin­ne­rung an Flucht und Ver­trei­bung und an das rei­che schle­si­sche Erbe mit sei­ner viel­fäl­ti­gen Tra­di­ti­on wei­ter­erzäh­len kön­nen. Des­halb müs­sen Bekennt­nis-Schle­si­er aus der Enkel- und Uren­kel­ge­nera­ti­on, die nach ihren Wur­zeln suchen auf Schle­si­en auf­merk­sam gemacht – ja für unse­re Lands­mann­schaft begeis­tert wer­den. Unse­re schle­si­schen Grup­pen außer­halb der Lands­mann­schaft, ob Hei­mat­grup­pen, Bres­lau­er Kor­po­ra­tio­nen, kul­tu­rel­le oder kon­fes­sio­nel­le Arbeits­krei­se müs­sen zusam­men­rü­cken unter ein gemein­sa­mes star­kes Dach einer Lands­mann­schaft Schle­si­en – Nie­der- und Ober­schle­si­en.

Vom Bun­des­mit­ar­bei­ter­kon­gress in Han­no­ver die­ses Jahr ging der Impuls aus, unse­re Orga­ni­sa­ti­on eini­ger Lan­des­grup­pen neu zu den­ken. 2016 wird das Jahr sein, in dem wir gemein­sam sehen wer­den, ob wir die Kraft dafür auf­brin­gen, neue, bun­des­län­der­über­grei­fen­de Lan­des­grup­pen zu grün­den. Eine Lan­des­grup­pe Nord mit schle­si­schen Lands­leu­ten und Grup­pen aus zum Bei­spiel Bre­men, Olden­burg, Ham­burg ist mög­lich und denk­bar. Auch die mit­tel­deut­schen Lan­des­grup­pen gilt es zu stär­ken und, wo nötig, neu zu orga­ni­sie­ren. Beson­ders der zum Frei­staat Sach­sen gehö­ren­de Zip­fel des bei Deutsch­land ver­blie­be­nen Schle­si­ens braucht neu­en Schwung zum Erhalt sei­ner schle­si­schen Iden­ti­tät.

Ganz per­sön­lich dan­ke ich allen Vor­stands­mit­glie­dern und allen Mit­strei­tern außer­halb des Vor­stan­des, allen ehren­amt­lich Täti­gen in den Frau­en­grup­pen, in den Orts-, Kreis-, Bezirks- und Lan­des­grup­pen, allen Spen­dern und Abon­nen­ten unse­rer Schle­si­schen Nach­rich­ten sowie allen akti­ven Teil­neh­mern an unse­ren Ver­an­stal­tun­gen ganz herz­lich für Ihren Ein­satz für unse­re Schle­si­er­fa­mi­lie im ver­gan­ge­nen Jahr!

Auch im neu­en Jahr wer­den wir unse­re Arbeit für Schle­si­en fort­set­zen. Dazu gehört die Erin­ne­rung an das Leid und Unrecht der Ver­trei­bung eben­so wie unse­re Lie­be und Sehn­sucht zur Hei­mat Schle­si­en. Hier fern der Hei­mat müs­sen wir Spu­ren hin­ter­las­sen und zu Hau­se auf die Ent­wick­lung und Bewah­rung unse­res kul­tu­rel­len Erbes Ein­fluss neh­men.

Mit den Gedan­ken bin ich bei all unse­ren Mit­glie­dern, die durch Alter und Krank­heit nicht mehr aktiv am Leben in unse­ren Grup­pen teil­ha­ben kön­nen. Ich wün­schen Ihnen allen Lin­de­rung Ihrer Schmer­zen und Bes­se­rung sowie Got­tes Segen und Freu­de im Her­zen für das neue Jahr!

Eine Bit­te schlie­ße ich mei­nen Wün­schen an: Sor­gen Sie in Ihrem Ver­mächt­nis dafür, dass Ihre Kin­der und Enkel­kin­der der­einst Ihre Mit­glied­schaft in der Lands­mann­schaft über­neh­men!

Ihnen und Ihren Fami­li­en wün­sche ich im Namen des Bun­des­vor­stan­des unse­rer Lands­mann­schaft ein geseg­ne­tes, gesun­des und fro­hes Jahr 2016! Möge es ein gutes Jahr für unse­re Lands­mann­schaft und uns alle sein!

Schle­si­en Glück­auf!
 


ps Pres­se­dienst Schle­sien Nr. 04/2015
Pres­se­in­for­ma­tio­nen der Lands­mann­schaft Schle­sien — Nie­der– und Ober­schle­sien e.V.
Bun­des­ge­schäfts­füh­rung: Dol­len­dor­fer Str. 412, 53639 Königs­win­ter
Tel.: (02244) 9259–0, Fax: (02244) 9259–290

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