Schlesische Nachrichten September 2015

Schlesische Nachrichten-September 2015Schle­sien: Von der SED-Diktatur zur Kul­tur­haupt­stadt

Ste­phan Rau­hut, Bun­des­vor­sit­zen­der der Lands­mann­schaft Schle­sien, erläu­tert als gebür­ti­ger Gör­lit­zer die Son­der­stel­lung Schle­si­ens zum zwei­ten „Tag der Ober­lau­sitz“, der auf die Zeit vor 200 Jah­ren hin­weist, als der Wie­ner Kon­gress die Ober­lau­sitz teilte und Gör­litz in die Ver­wal­tungs­zu­ge­hö­rig­keit zu Schle­sien wechselte:

Schle­sien spielte in unse­rer Fami­lie immer eine Rolle. Das ließ sich gar nicht ver­mei­den, weil sich meine Groß­el­tern als Folge der Ver­trei­bung in Gör­litz ange­sie­delt hat­ten. Sie stamm­ten aus dem Kreis Bunz­lau. Aus Sorge, wir Kin­der könn­ten den Begriff unbe­dacht nach drau­ßen tra­gen, wurde zu Hause über Schle­sien hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand gespro­chen. Ich hatte eine schle­si­sche Kla­vier­leh­re­rin, Frau Wit­tig. Sie wohnte Rei­chert­straße und stammte aus Glo­gau. Am Schluss jeder Kla­vier­stunde spiel­ten und san­gen wir das Schle­si­er­lied und das Deutsch­land­lied. Das hät­ten die Nach­barn nicht hören dür­fen. Viele Jahre ließ ich mir nach Bonn noch schle­si­schen Mohn– und Streu­sel­ku­chen vom Bies­nit­zer Raschke-Bäcker schi­cken. Meine Eltern hat­ten Mitte der Acht­zi­ger Aus­rei­se­an­träge gestellt. Der letzte wurde erst kurz vor dem Mau­er­fall abge­lehnt. Sie sahen für uns Kin­der keine Per­spek­tive in der DDR. Ein Abitur hätte ich trotz guter schu­li­scher Leis­tun­gen nicht machen dür­fen. Diese Aus­gren­zung und der Ver­such mei­ner Klas­sen­leh­re­rin an der 15. Poly­tech­ni­schen Ober­schule, mich von Mit­schü­lern zu ent­frem­den, haben mich früh in Geg­ner­schaft zum Sys­tem gebracht. Heute bin ich dank­bar dafür, weil ich in die­ser Zeit anfi ng, poli­tisch zu den­ken. Mit mei­nen Eltern sind wir dann im Dezem­ber 1989 aus der DDR aus­ge­reist. Leicht gefal­len ist mir das Ver­las­sen mei­ner Hei­mat und mei­nes gro­ßen Freun­des­krei­ses nicht. Die ers­ten Monate erreich­ten mich fast täg­lich Briefe von Freun­den. Das hat mir sehr über mein Heim­weh gehol­fen. 2014 konnte ich in der Rau­sch­wal­der Chris­tus­kir­che gemein­sam mit unse­rem dama­li­gen Pfar­rer Wäh­ner, den ich bis heute sehr ver­ehre, die sil­berne Kon­fir­ma­tion fei­ern. Das war bewe­gend und ein freu­di­ges Wiedersehen. […]

Eben­falls in die­ser Aus­gabe:

Som­mer– und Stif­tungs­fest im Haus Schle­sien | OMV NRW: Rau­hut und Spiel­vo­gel im neuen Lan­des­vor­stand | Wür­di­ges Geden­ken zum 100. Geburts­tag von Her­bert Hupka | Deutsch­land­tref­fen der Schle­sier 2015. Ein Kom­men­tar von Peter Groß­pietsch | Wal­ter Zain zum 85. Geburts­tag | Erin­ne­rung an Peter Glotz | Aus­züge aus der Pre­digt von Lan­des­bi­schof i.R. Horst Hirsch­ler beim Öku­me­ni­schen Got­tes­dienst zum Deutsch­land­tref­fen | 1.000 Jahre Biesnitz

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