Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg (1919–1945)

Karte_des_Deutschen_Reiches_Weimarer_Republik-Drittes_Reich_1919–1937Nach dem Ers­ten Welt­krieg kam es in Mit­tel­eu­ropa zur tief­grei­fen­den geo­po­li­ti­schen Ver­än­de­run­gen. Die Kriegs­ver­lie­rer, das kai­ser­li­che Deut­sche Reich und Österreich-Ungarn, die sich bis dahin Schle­sien teil­ten, muss­ten ihre Teile Schle­si­ens ganz (Öster­reich) oder teil­weise (Deut­sches Reich) zu Guns­ten der neu ent­stan­de­nen Staa­ten Polen und Tsche­cho­slo­wa­kei abge­ben. Beson­ders umstrit­ten war dabei Ober­schle­sien. Der 13. Punkt der „offi­zi­el­len Frie­dens­ziele der Alli­ier­ten“ (for­mu­liert von US-Präsident Woo­drow Wil­son) sah die Wie­der­her­stel­lung eines unab­hän­gi­gen pol­ni­schen Staa­tes vor, und zwar aus­drück­lich nicht in den his­to­ri­schen Gren­zen vor den Tei­lun­gen Polens, son­dern mit allen „von einer unbe­streit­bar pol­ni­schen Bevöl­ke­rung bewohn­ten Gebie­ten”. Ober­schle­sien war sprach­lich ein Misch­ge­biet (Schlesisch/Polnisch bzw. Tsche­chisch zirka 60 %, Deutsch etwa 40 %) und mehr­heit­lich katho­lisch (88 %). Die Bevöl­ke­rung von Nie­der­schle­sien war meis­tens deutsch­spra­chig und, mit Aus­nahme der zum größ­ten Teil katho­li­schen Graf­schaft Glatz, über­wie­gend evan­ge­lisch (68%). (Bild: Karte des Deut­schen Rei­ches, »Wei­ma­rer Republik/Drittes Reich« 1919–1937, Quelle: kgber­ger, Wiki­me­dia Com­mons, Karte des Deut­schen Rei­ches, Wei­ma­rer Republik-Drittes Reich 1919–1937.svg)

Tei­lun­gen von Schle­sien nach 1919

Wie im Ver­sailler Ver­trag fest­ge­leg, fie­len bereits 1920 mit der nord­öst­li­chen Hälfte des Land­krei­ses Groß War­ten­berg und dem Reichtha­ler Länd­chen (Lkr. Nams­lau) sowie klei­nen Tei­len der Land­kreise Guhrau und Militsch einige Grenz­ge­biete Nie­der­schle­si­ens ohne Befra­gung der Bevöl­ke­rung an Polen. Wei­ter­hin sah der Ver­trag vor, dass ganz Ober­schle­sien Polen zuge­spro­chen wer­den sollte. Dies wurde jedoch vor allem auf­grund eng­li­scher Ein­fluss­nahme zu Guns­ten eines Ple­bis­zits geän­dert. Die Volks­ab­stim­mung in Ober­schle­sien fand im März 1921 statt, dabei votier­ten 60% für den Ver­bleib beim Deut­schen Reich und 40% für den Anschluss an Polen. Die über drei Jahre andau­ern­den Span­nun­gen vor und nach dem Ple­bis­zit mün­de­ten in drei pro­pol­ni­sche Auf­stände in Ober­schle­sien. Über die end­gül­tige Tei­lung Ober­schle­si­ens wurde erst 1922 ent­schie­den, wobei der Oberste Rat der Alli­ier­ten zirka 70 % des Abstim­mungs­ge­biets dem Deut­schen Reich und zirka 30 % Polen zusprach, ohne dass die Tei­lungs­li­nie immer loka­len Mehr­heits­ver­hält­nis­sen beim Ple­bis­zit entsprach.

Das wirt­schaft­lich ertrag­rei­che Ost­o­ber­schle­sien ging an Polen. In der nun­mehr Auto­no­men Woi­wod­schaft Schle­sien mit Kat­to­witz als Haupt­stadt wur­den für die dort geblie­bene deut­sche Bevöl­ke­rung Son­der­ver­ein­ba­run­gen getrof­fen. Der Haupt­teil Schle­si­ens ver­blieb jedoch auch nach die­sen Tei­lun­gen beim Deut­schen Reich und war in die bereits 1919 neu geschaf­fe­nen preu­ßi­schen Pro­vin­zen Nie­der­schle­sien mit der Haupt­stadt Bres­lau und Ober­schle­sien mit der Haupt­stadt Oppeln unter­glie­dert. Den Ober­prä­si­den­ten (Ver­wal­tungs­chef der Pro­vinz) stellte in Ober­schle­sien bis 1933 das Zen­trum, in Nie­der­schle­sien bis 1932 die SPD.

Das Hult­schi­ner Länd­chen – der Süd­teil des Land­krei­ses Rati­bor – war bereits Ende 1918 von der Tsche­cho­slo­wa­kei mili­tä­risch besetzt wor­den und kam im Sep­tem­ber 1919 mit dem Ver­trag von St. Ger­main zur Tsche­cho­slo­wa­kei. Das öster­rei­chi­sche Kron­land Österreichisch-Schlesien kam nach dem Ers­ten Welt­krieg über­wie­gend zur neu gegrün­de­ten Tsche­cho­slo­wa­kei – die­ses Gebiet gehört heute zu Tsche­chien – ein klei­ner Teil zu Polen. Anfang 1919 kam es um das Indus­trie­ge­biet um Teschen zum Polnisch-Tschechoslowakischen Grenz­krieg. Auf Druck Frank­reichs stimmte die Tsche­cho­slo­wa­kei einer Auf­tei­lung der Stadt zu, durch die deren grö­ße­rer Teil an Polen fiel, der über­wie­gende Teil des Tesche­ner Lan­des hin­ge­gen an die Tsche­cho­slo­wa­kei. Der ganze pol­ni­sche Teil des frü­he­ren Kron­lan­des bil­dete ab 1920 die Auto­nome Woi­wod­schaft Schlesien.

Anfang Okto­ber 1938 kam infolge des Münch­ner Abkom­mens das von Deut­schen besie­delte tsche­cho­slo­wa­ki­sche Schle­sien als Teil des Sude­ten­lan­des zum Deut­schen Reich, der mehr­heit­lich pol­nisch besie­delte Mit­tel­strei­fen (Zaol­zie) des Olsa­ge­biets wenige Wochen spä­ter zu Polen.


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