St. Barbara-Tag: Fest der Bergmänner

Eine kur­ze Geschich­te der Berg­manns­uni­form — Von Dami­an Spiel­vo­gel  
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Heilige BarbaraDer 4. Dezem­ber wird all­jähr­lich und unmiss­ver­ständ­lich mit dem tra­di­tio­nel­len Sankt-Bar­ba­ra-Tag asso­zi­iert, dem alt­her­ge­brach­ten und gut bekann­ten Fest der Berg­leu­te. Ein Fest­tag, der durch die schwar­zen Uni­for­men der Berg­män­ner mit ihren im Win­ter­wind flat­tern­den Feder­bu­schen — die schwar­zen, die der Berg­leu­te, die wei­ßen, die des Auf­sichts­per­so­nals oder die roten, die der Musi­ker der Berg­manns­blas­ka­pel­le — geprägt wird. Die pech­schwar­ze schi­cke Berg­manns­uni­form gehört unzer­trenn­lich zum Fest der Hl. Bar­ba­ra. (Bild: Sankt-Bar­ba­ra-Gru­ben­al­tar­bild aus Ober­schle­si­en um 1890)

Gott segne den BergbauDie eigent­li­che Berg­manns­uni­form wur­de im 17. Jahr­hun­dert in deut­schen Berg­bau­ge­bie­ten ein­ge­führt. Die­se hat sich aus den Erfor­der­nis­sen der berg­män­ni­schen schwe­ren Arbeit ent­wi­ckelt. Alle Uni­form­ele­men­te sym­bo­li­sie­ren bestimm­te his­to­ri­sche Arbeits­tä­tig­kei­ten oder Arbeits­ab­läu­fe im Berg­werk, sie sind der his­to­ri­schen Arbeits­welt (Arbeits­klei­dung) des Berg­manns ent­lie­hen; sie sind kei­ne Pro­duk­te der Phan­ta­sie, damit die­se Berg­mann­s­klei­dung “schick” aus­sieht. Aber auch die Berg­manns­uni­form durch­zog einen zeit­li­chen Wan­del, war teil­wei­se der epo­cha­len Mode­er­schei­nun­gen unter­zo­gen. Bereits auf ver­schie­de­nen Dar­stel­lun­gen aus den Jah­ren 1291 und 1350 wer­den Berg­män­ner in glei­chen (über­ein­stim­men­den) Klei­dungs­stü­cken abge­bil­det. Hin­wei­se auf eine ein­heit­li­che Berg­mann­s­klei­dung fin­den wir jedoch in schrift­li­chen und bild­li­chen Doku­men­ten des aus­ge­hen­den 15. und begin­nen­den 16. Jahr­hun­dert. In Preu­ßen setz­te sich nach 1800 all­ge­mein die damals schon in Schle­si­en übli­che schwar­ze Uni­form durch, die spä­ter die Grund­la­ge aller bekann­ten Berg­manns­uni­for­men lie­fer­te. Eine Aus­nah­me bil­de­te das dama­li­ge König­reich Sach­sen. (Bild: “Gott seg­ne den Berg­bau”: Eine Rari­tät aus der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts — Preu­ßi­scher Berg­bau)

Zu den Attri­bu­ten einer typi­schen Berg­manns­uni­form gehö­ren:

  • ein Schacht­hut (in Ober­schle­si­en “Tscha­ko” genannt), in Abwand­lung eines klei­nen Hutes ohne Schirm (ehe­mals als Kopf­schutz bei Abbau­ar­bei­ten benutzt),
  • ein Feder­busch, frü­her: Feder­wisch, der für die Rei­ni­gung von Spreng­lö­chern genutzt wur­de, und von Berg­män­nern hin­ter einem Band am Hut getra­gen wur­de,
  • schwar­ze Fran­sen an Ärmeln, die­se sym­bo­li­sie­ren eine Rei­he von Zünd­schnü­ren, die unent­behr­lich bei Spreng­ar­bei­ten waren, und die man ange­bun­den an Ärmeln getra­gen hat,
  • Schul­ter­kra­gen ist dage­gen ein “Rest­stück” einer Pele­ri­ne (eines schüt­zen­des Man­tels), die als Schul­ter- und Was­ser­schutz dien­te,
  • Berg­le­der (auch Gesäß- oder Rutsch­le­der und im Volks­mund auch “Arsch­le­der” genannt), ein Sym­bol eines alten “Schutz­ar­beits­mit­tels” für die Errich­tung von Sitz­ar­bei­ten oder auch für das “schnel­le Bewe­gen” zwi­schen den unter­schied­lich tief gele­ge­nen Abbau­stel­len,
  • Gol­de­ne Knöp­fe mit Ham­mer und Schlä­gel (auch als Eisen und Schlä­gel bezeich­net) in der Anzahl von nicht weni­ger als 29, die die Lebens­jah­re der Hl. Bar­ba­ra und das Gold der Knöp­fe das Licht der Son­ne sym­bo­li­sie­ren sol­len.

Bergparade 1935, Hindenburg (Bild: Berg­pa­ra­de 1935, Hindenburg/OS) Eine typi­sche in den deut­schen his­to­ri­schen Berg­bau­ge­bie­ten anzu­tref­fen­de Gala­uni­form eines Berg­manns besteht aus einem Schacht­hut mit Feder­busch, einer Puff­ja­cke (die schwar­ze Puff­ja­cke führ­te 1768 der Gene­ral­berg­kom­mis­sar Anton von Heynitz ein), einer wei­ßen Wes­te (wird sel­ten getra­gen), einer lan­gen schwar­zen Hose, Berg­le­der (wird nur noch bei his­to­ri­schen Uni­for­men getra­gen), einem schwar­zen Man­tel (für Win­ter), einem Stich­de­gen (nur für Ober­berg­haupt­män­ner, nur noch von his­to­ri­scher Bedeu­tung) und einem Säbel (nur noch bei his­to­ri­schen Uni­for­men anzu­tref­fen; gegen­wär­tig aber noch in Ober­schle­si­en getra­gen).

Säbelgriff mit vergoldetem Griff und silbernem Schlägel und Eisen eines Bergbeamten, Ende des 19. JahrhundertsEin wei­te­res Rang- und Wür­de­ab­zei­chen des Berg­man­nes war die Waf­fe. Der Säbel war in der Ver­gan­gen­heit ein Zei­chen der Zuge­hö­rig­keit “zum beson­de­ren Stand”: Die Berg­knap­pen als freie Men­schen (“Leu­te des frei­en Stan­des”) waren zum Waf­fen­tra­gen ver­pflich­tet, um nach Auf­for­de­rung eines Fürs­ten für krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen zur Ver­fü­gung zu ste­hen, wobei die­se Ehre nur Berg­män­nern eines höhe­ren Berufs­stan­des zustand. Daher waren es nur die Ange­hö­ri­gen des Auf­sichts­per­so­nals gewe­sen, die berech­tigt waren, einen Säbel zu tra­gen. Spä­ter wur­de sogar die Erlaub­nis aus­ge­spro­chen zu einer Berg­manns­uni­form, also einer “zivi­len Uni­form”, einen eige­nen mili­tä­ri­schen Säbel zu tra­gen, sofern hier­für eine Berech­ti­gung vor­lag (galt für Offi­zie­re der ehe­ma­li­gen Armee, die den Säbel ihres Regi­ments besa­ßen). Anzu­mer­ken ist, dass der Berg­manns­sä­bel in Form und Grö­ße der glei­che war, wie der des Mili­tärs, jedoch mit Berg­manns­sym­bol ver­se­hen. Kenn­zeich­nend auch für das Auf­sichts­per­so­nal war die lang­ge­sti­el­te, schma­le Bar­te, aus der sich wahr­schein­lich der Häckel ent­wi­ckel­te. Die Bar­te gleicht weit­ge­hend dem ehe­ma­li­gen Gru­ben­beil und wur­de an ver­hält­nis­mä­ßig kur­zem Stiel über die Schul­ter getra­gen. Beim Häckel dage­gen ist das Blatt zu einem Hand­griff ver­klei­nert und der Stiel stark ver­län­gert wor­den. (Bild: Säbel­griff mit ver­gol­de­tem Griff und sil­ber­nem Schlä­gel und Eisen eines Berg­be­am­ten, Ende des 19. Jahr­hun­derts)

Uniform eines preußischen Bergbeamten mit Orden aus dem Ersten Weltkrieg, die an der "zivilen" Bergmannsuniform privilegiert getragen werden durftenDie berg­män­ni­sche Klei­dung wur­de oft­mals in Vor­schrif­ten gefasst. Die bekann­tes­te ist die fol­gen­de “Die Uni­form der Beam­ten der Preu­ßi­schen Staats-, Berg-, Hüt­ten- und Sali­nen­ver­wal­tung. Aller­höchs­ter Erlaß” vom 15.01.1890. Die­se bil­de­te die Grund­la­gen der uns jetzt bekann­ten Uni­for­men der Berg­män­ner. Nach dem Ers­ten Welt­krieg war es not­wen­dig, die Berg­manns­uni­form der neu­en Staats­form in Deutsch­land anzu­pas­sen. Doch erst am 05.03.1934 wur­den “Vor­schrif­ten über berg­män­ni­sche Klei­dung” durch den Preu­ßi­schen Minis­ter für Wirt­schaft und Arbeit” erlas­sen. (Bild: Uni­form eines preu­ßi­schen Berg­be­am­ten mit Orden aus dem Ers­ten Welt­krieg, die an der “zivi­len” Berg­manns­uni­form pri­vi­le­giert getra­gen wer­den durf­ten)

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg sprach man plötz­lich im frei­en Teil Deutsch­lands von “Berg­manns­tracht”, um das Wort “Uni­form” zu ver­mei­den. Die­sem “Sprach­ge­brauch” bedien­te sich der Arbeits­ein­satz und Aus­bil­dungs­aus­schuss des Deut­schen Koh­le­berg­baus im Jahr 1953, der eine “Berg­manns­tracht” emp­foh­len hat, die auf jeg­li­che Rang­ab­zei­chen zu ver­zich­ten hat. Die Bezeich­nung “beruf­li­che Tracht” hat sich jedoch unter den Kum­peln nicht durch­ge­setzt, da die­se “Tracht” im ein­deu­ti­gen Wider­spruch zum geschicht­li­chen Wer­de­gang der “berg­män­ni­schen Klei­dung” stand, zumal man anhand der “alten Berg­mann­s­klei­dung” den Rang, die beruf­li­che Stel­lung des jewei­li­gen Gru­ben­be­schäf­tig­ten unschwer erken­nen konn­te. Es war der Stolz jedes Berg­man­nes (Schlep­per, Hau­er, Stei­ger usw.) einer bestimm­ten Grup­pe inner­halb der Berg­knap­pen zuge­hö­rig zu sein und die­se Zuge­hö­rig­keit durch sei­ne Gala­uni­form zu mani­fes­tie­ren. Die­se Tra­di­ti­on und vor allem die Wür­di­gung sei­ner beruf­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on sowie sei­nes Ran­ges wur­den durch die getra­ge­ne schwar­ze Berg­manns­uni­form mit Stolz wie­der­ge­ge­ben, die man oft­mals in der Fami­lie ver­erbt bekom­men hat­te!

Vor­bei sind auch die Zei­ten als die Berg­schü­ler, wie bei­spiels­wei­se die der Ober­berg­schu­le zu Tar­no­witz, spä­ter zu Peis­kretscham (Ober­schle­si­en), eine schwar­ze Uni­form, in Anleh­nung an die berg­män­ni­sche Uni­form, mit einer Schirm­müt­ze getra­gen haben. Die typi­schen Berg­manns­far­ben sind das Schwar­ze und das Grü­ne. Die ers­te Far­be sym­bo­li­siert die uner­träg­li­che Dun­kel­heit Unter­ta­ge, die zwei­te ist ein Sym­bol der berg­män­ni­schen Sehn­süch­te nach dem Grün der Wäl­der und Fel­der wäh­rend der schwe­ren Arbeit im Stol­len. Im Lau­fe der Jahr­hun­der­te hat sich nur der Berg­mann, eine nur sei­nem Stand eige­ne, den jewei­li­gen Stil­epo­chen ange­pass­te, jedoch schon seit zwei Jahr­hun­der­ten eine fast gleich geblie­be­ne Berufs­uni­form geschaf­fen. Sie ist damit ein Bestand­teil eines jahr­hun­der­te­al­ten Brauch­tums und somit auch ein Aus­druck eines tra­di­ti­ons­ge­bun­de­nen Reich­tums.

Bil­der zum Ver­grö­ßern und Anzei­gen der Beschrei­bung bit­te ankli­cken.
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