Schlesien zwischen Böhmen und Polen (879‑1137)

Mäh­risch-Böh­mi­sche Zeit (879–992)

Svatopluk mit seinen drei Söhnen und drei Zweigen, nach der Legende von Svatopluks Zweigen Im Jah­re 880 (nach man­chen Quel­len auch vor 879) wur­de ganz Schle­si­en von Sva­top­luk I. dem Mäh­r­erreich ange­schlos­sen. Mit dem Zer­fall die­ses Rei­ches nach 906 dehn­ten die Pře­mys­li­den ihre Macht auch über Schle­si­en aus. Dies erfolg­te wohl schon zu Zei­ten des ers­ten böh­mi­schen Her­zogs Spy­tih­něv I. und wur­de durch sei­nen Nach­fol­ger Vra­tis­lav I. fort­ge­führt. Vra­tis­lav erwei­ter­te sei­nen Herr­schafts­be­reich über das Land der Golen­si­zen hin­aus um die mit­tel­schle­si­schen Gebie­te links der Oder. Zum Schutz der Gren­ze grün­de­te er die Burg „Vra­tis­la­via“ (Bres­lau, pol­nisch: Wro­cław, tsche­chisch: Vra­tis­lav). Die­se ent­wi­ckel­te sich spä­ter zum Zen­trum Schle­si­ens als Her­zogs- und Bischofs­sitz und Nimptsch, der Haupt­ort des Gau­es Slenz­ane ver­lor sei­ne Bedeu­tung. Fürst Bole­s­lav I., dem die Grün­dung der Burg Bole­s­lavecz (Bunz­lau) zuge­schrie­ben wird, konn­te sei­nen Macht­be­reich noch deut­lich erwei­tern. Neben dem Land der Bob­o­ra­nen und Opola­nen besaß er in der Zeit zwi­schen 950 und 963 auch die Gebie­te der Wis­la­nen mit der Stadt Kra­kau sowie der Dedo­si­zen. (Bild: Sva­top­luk mit sei­nen drei Söh­nen und drei Zwei­gen, nach der Legen­de von Sva­top­luks Zwei­gen, Quel­le: Michal Maňas. Eige­nes Werk, Wiki­me­dia Com­mons)

Schle­si­en zwi­schen Böh­men und Polen (von etwa 900 bis 1137)

Mit der Ernen­nung zum Her­zog durch Kai­ser Otto ent­stand zwi­schen Wart­he, Weich­sel und Pili­ca das ers­te pol­ni­sche Pias­ten­her­zog­tum unter Mieszko I. Mit Unter­stüt­zung Kai­ser Ottos II., dem eine Macht­be­schrän­kung des Pra­ger Fürs­ten Bole­s­lav II. will­kom­men war, begann Mieszko I. eine inten­si­ve Süd­ex­pan­si­on und erober­te Mit­tel­schle­si­en mit der stra­te­gisch wich­ti­gen Burg Nimptsch (Niemc­za), nach­dem er bereits nach 970 das Land der Dedo­si­zen an der Mün­dung des Bober in die Oder besetzt hat­te. Auch von Wes­ten her soll­te die Macht der Pře­mys­li­den in Schle­si­en beschränkt wer­den. Dem 968 errich­te­ten Bis­tum Mei­ßen hat­te Kai­ser Otto I. den Zehnt des Dedo­si­zen­lan­des über­las­sen, einer Durch­füh­rung die­ser Ost­aus­deh­nung kam jedoch Mieszko I. zuvor. Im Bun­de mit Kai­ser Otto III. führ­te Mieszkos Sohn Bole­sław I. der Tap­fe­re die Chris­tia­ni­sie­rung Schle­si­ens fort und grün­de­te im Jahr 1000 das Bis­tum Bres­lau, wel­ches als Suf­fra­gan­bis­tum bis zum 19. Jahr­hun­dert mit dem pol­ni­schen Erz­bis­tum Gne­sen ver­bun­den blieb.

Bole­sław I. erober­te zwi­schen 1012/13 die Gebie­te der heid­ni­schen Opola­nen, Golen­si­zen und Wis­la­nen und konn­te dadurch ganz Schle­si­en ein­schließ­lich Tei­len der Lau­sitz sowie Klein­po­len in sein Her­zog­tum ter­ri­to­ri­al voll­stän­dig ein­glie­dern. Damit erreich­te die ers­te pol­ni­sche Herr­schafts­pha­se über Schle­si­en ihren Höhe­punkt.

Das Reich Bolesławs I. des Tapferen (um 1025)(Bild: Das Reich Bole­sławs I. des Tap­fe­ren um 1025, Quel­le: Wiki­me­dia Com­mons) Als König Bole­sław I. der Tap­fe­re im Jah­re 1025 starb, setz­te ein rapi­der Zer­fall des König­rei­ches Polen ein. Die Macht in Polen und somit auch in Schle­si­en ging an loka­le Füh­rer über. Als 1037 in wei­ten Tei­len Polens ein heid­ni­scher Auf­stand gegen die christ­li­che Kir­che aus­brach und die Bres­lau­er Bischö­fe nach Schmo­grau (Smo­gor­zów) und auf die Rit­schen (Ryc­zyn) ver­jagt wur­den, nutz­te Her­zog Břet­is­lav I. von Böh­men 1038 die Gunst der Stun­de und erober­te im böh­misch-pol­ni­schen Krieg Schle­si­en zurück. 1054 gelang­te Schle­si­en wie­der zum Her­zog­tum Polen, nach­dem Kai­ser Hein­rich III. im Frie­den von Qued­lin­burg Břet­is­lav I. zum Ver­zicht auf Schle­si­en hat­te bewe­gen kön­nen und Kasi­mir I. der Erneue­rer im Gegen­zug zur Zah­lung eines Tri­buts an Böh­men bereit gewe­sen war. Die­ses Über­ein­kom­men wur­de zum Anlass meh­re­rer klei­ne­rer Krie­ge zwi­schen Böh­men und Polen, nach­dem sich die pol­ni­schen Herr­scher seit König Bole­sław II. dem Küh­nen gewei­gert hat­ten, die schle­si­sche Pacht zu bezah­len. Erst der 1137 geschlos­se­ne und 1138 bestä­tig­te Pfingst­frie­den von Glatz leg­te eine dau­er­haf­te Grenz­zie­hung zwi­schen Polen ein­schließ­lich Schle­si­ens sowie Böh­men und Mäh­ren fest. Dabei ver­blieb das umstrit­te­ne Glat­zer Land eben­so wie Tei­le des Golen­si­zen­lan­des süd­lich des Flus­ses Zinna, das Trop­pau­er Land, bei Böh­men bzw. Mäh­ren.

Das König­reich Polen wur­de im Rah­men der 1138 ein­ge­führ­ten pol­ni­schen Seni­o­rats­ver­fas­sung in meh­re­re Her­zog­tü­mer auf­ge­teilt, das Seni­o­rat Polen, von denen eines das Her­zog­tum Schle­si­en unter Senio­rher­zog Wła­dysław II. dem Ver­trie­be­nen war, der damit die Linie der Schle­si­schen Pias­ten begrün­de­te. Ab 1138 setz­te aber auch ein Bru­der­krieg ein, der zur Abset­zung Wła­dysławs II. und einer Zer­split­te­rung Polens führ­te.


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