Preußisch-Schlesien und Österreichisch-Schlesien (1742–1918)

Nach dem Ers­ten Schle­si­schen Krieg und dem Vor­frie­den von Bres­lau (1742) wurde ver­ein­bart, dass Öster­reich Nie­der– und Ober­schle­sien bis zur Oppa an Preu­ßen abzu­tre­ten hatte. Nach dem Drit­ten Schle­si­schen oder Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756 bis 1763) musste auch die bis dahin böh­mi­sche Graf­schaft Glatz, die nicht zu Schle­sien gehört hatte, an Preu­ßen abge­ge­ben werden.

Preußen-Österreich-Sachsen-Schlesien Die his­to­ri­sche Land­karte zeigt das preu­ßi­sche Schle­sien zwi­schen 1806 und 1815. Die gel­ben Berei­che im Nord­os­ten wur­den 1815 von Sach­sen an Preu­ßen abge­tre­ten und der Pro­vinz Schle­sien ange­schlos­sen. (Quelle: F. W. Putz­gers His­to­ri­scher Schul-Atlas) Ein klei­ne­rer Teil Schle­si­ens um Trop­pau, Jägern­dorf, Teschen und Bie­litz sowie der süd­li­che Teil des Fürs­ten­tums Neisse blieb als Österreichisch-Schlesien bis 1918 Bestand­teil der Österreichisch-Ungarischen Mon­ar­chie. Zuerst (bis 1782) als Teil des König­reichs Böh­men, danach (bis 1849 und 1860–1861) Mäh­rens. Laut einem Dekret vom 4. März 1849 wur­den alle Völ­ker des Kai­ser­tums Öster­reich, dar­un­ter auch Schle­sier, gleich­be­rech­tigt. Mit dem Dekret vom 30. Dezem­ber 1849 wurde das Schle­si­sche Land, als Kron­land gebil­det. Es wurde ein Schle­si­scher Land­tag (Schle­si­scher Kon­vent) in Trop­pau, mit 30 gewähl­ten Abge­ord­ne­ten und dem Bres­lauer Bischof gegrün­det; ab 1866 waren sechs schle­si­sche Abge­ord­nete sogar Mit­glie­der des Staats­ra­tes in Wien, stell­ten den öster­rei­chi­schen Finanz­mi­nis­ter und beklei­de­ten andere hohe Staats­äm­ter in Öster­reich. Der Schle­si­sche Land­tag arbei­tete mit einer zehn­jäh­ri­gen Pause (1851–1861) bis zum Zer­fall der k.u.k. Mon­ar­chie 1918. Eben­falls zu Öster­reich gehör­ten ab 1772 die Her­zog­tü­mer Ausch­witz und Zator, die im 15. Jahr­hun­dert von Schle­sien an Polen gelangt waren.

Nach dem Wie­ner Kon­gress von 1815 ent­stand der kon­fö­de­ra­tiv orga­ni­sierte Deut­sche Bund als Nach­fol­ger des 1806 auf­ge­lös­ten Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nation, dem sowohl Öster­reich als auch Preu­ßen ange­hör­ten. Preu­ßen orga­ni­sierte seine Ter­ri­to­rien als Pro­vin­zen um und Schle­sien wurde eine der zunächst 10 Pro­vin­zen mit Bres­lau als Pro­vinz­haupt­stadt. 1816 kam die vom König­reich Sach­sen abzu­tre­tende nord­öst­li­che Hälfte der Ober­lau­sitz zur preu­ßi­schen Pro­vinz hinzu. Nach der Auf­lö­sung des Deut­schen Bun­des 1866 durch den Pra­ger Frie­dens­ver­trag und Bil­dung des Nord­deut­schen Bun­des (1867) sowie des Deut­schen Rei­ches (1871) wurde nur Preu­ßisch Schle­sien Bestand­teil des deut­schen Nationalstaates.

Schlesien_Verwaltungsgliederung_1905.svgVer­wal­tungs­glie­de­rung der preu­ßi­schen Pro­vinz Schle­sien im Jahr 1905:

  Regie­rungs­be­zirk Lie­gnitz
  Regie­rungs­be­zirk Bres­lau
  Regie­rungs­be­zirk Oppeln

(Quelle: Fur­fur, Wiki­me­dia Com­mons, Schle­sien Ver­wal­tungs­glie­de­rung 1905.svg)

Bei den Reichs­tags­wah­len Ende des 19. Jahr­hun­derts wähl­ten die Ober­schle­sier mehr­heit­lich das katho­li­sche Zen­trum. Die Nie­der­schle­sier wähl­ten zunächst über­wie­gend die Par­tei der „Deutsch Frei­sin­ni­gen“, spä­ter zuneh­mend die SPD. Mit der begin­nen­den Indus­tria­li­sie­rung wurde Ober­schle­sien mit sei­nen Stein­koh­le­berg­wer­ken neben dem Ruhr­ge­biet zu einer der wirt­schaft­lich wich­tigs­ten Regio­nen des Deut­schen Reiches.

Bevöl­ke­rung Schle­si­ens (um 1900)

Kategorie Preußisch Österreichisch Gesamt
Anzahl prozentual Anzahl prozentual Anzahl prozentual
Gesamt 4.942.611 100 % 680.422 100,0 % 5.623.033 100,0 %
Deutsch 3.741.300 75,7 % 304.149 44,7 % 4.045.449 71,9 %
als „Pol­nisch“ definiert 1.100.831 22,3 % 225.900 33,2 % 1.326.731 23,6 %
Slawisch 100.480 2,0 % 150.373 22,1 % 250.853 4,5 %

Die­ser Arti­kel basiert auf dem Arti­kel Schle­sien aus der freien Enzy­klo­pä­die Wiki­pe­dia und steht unter der „Crea­tive Com­mons Attribution/Share Alike“. In der Wiki­pe­dia ist eine Liste der Auto­ren verfügbar.