Die schlesischen Piasten (1137–1335)

Wladyslaw-II-1138-1146Im Streit mit sei­nen jün­ge­ren Brü­dern such­te Her­zog Wła­dysław II. von Schle­si­en 1146 mit sei­ner Fami­lie Zuflucht im Hei­li­gen Römi­schen Reich und ersuch­te sei­nen Schwa­ger, den Römisch-deut­schen König Kon­rad III. um poli­ti­sche Unter­stüt­zung, indem er sich und sein ver­lo­re­nes Her­zog­tum der Ober­ho­heit des Kai­sers unter­stell­te. Sowohl König Kon­rad als auch sein Nach­fol­ger Kai­ser Fried­rich I. führ­ten 1146 bzw. 1157 Feld­zü­ge gegen Polen an. Senio­rher­zog Bole­sław IV. „Kraus­haar“ von Maso­wi­en und Klein­po­len sag­te zwar die Rück­ga­be des Her­zog­tums Schle­si­en an Wła­dysław den Ver­trie­be­nen zu, zöger­te die­se aber bis 1163 hin­aus. Erst unter Andro­hung wei­te­rer krie­ge­ri­scher Hand­lun­gen hän­dig­te Bole­sław IV. Schle­si­en den drei Söh­nen Wła­dysławs II. aus. Der älte­re, Bole­sław I. der Lan­ge († 1201), erhielt Mit­tel- und Nie­der­schle­si­en als Her­zog­tum Schle­si­en (duca­tus Sile­siae) mit dem Zen­trum Bres­lau. Der mitt­le­re, Mieszko IV. „Kreuz­bein“ († 1211), bekam die oder­auf­wärts gele­ge­nen Gebie­te Rati­bor und Teschen. Kon­rad I. († um 1180/90) wur­de Her­zog von Glo­gau. 1201 wur­den die Gebie­te Mieszkos um Oppeln erwei­tert und zum Her­zog­tum Oppeln (duca­tus Opo­li­en­sis) zusam­men­ge­fasst. Dadurch ent­stand der Oppel­ner Zweig der Schle­si­schen Pias­ten. (Bild: Wła­dysław II. „der Ver­trie­be­ne” war 1138–1146 Her­zog von Schle­si­en sowie als Wła­dysław II. Senio­rher­zog von Polen. Er war der Begrün­der der schle­si­schen Linie der Pias­ten.)

Durch die for­mel­le Auf­he­bung der Seni­o­rats­ver­fas­sung 1180 in Łęc­zy­ca und beson­ders seit dem Tod des Senio­rher­zogs Mieszkos III. erreich­te der Par­ti­ku­la­ris­mus in Polen, man­gels einer star­ken und eini­gen­den Zen­tral­ge­walt, sei­nen Höhe­punkt, und das Pias­ten­reich zer­fiel zuse­hends in selb­stän­di­ge feu­da­lis­ti­sche Fürs­ten­tü­mer, dar­un­ter auch die Her­zog­tü­mer Schle­si­en und Oppeln; den­noch fühl­ten sich die ver­schie­de­nen pias­ti­schen Zwei­ge wei­ter­hin als ein Teil einer gro­ßen Fami­lie in dynas­ti­scher Ver­bun­den­heit.

MongolensturmDer Ein­fall mon­go­li­scher Hee­re im Jah­re 1241 in Schle­si­en und die mit ihm ver­bun­de­ne Ver­wüs­tung des Lan­des sowie die dar­aus resul­tie­ren­de mas­si­ve Dezi­mie­rung der sla­wi­schen Bevöl­ke­rung auf ein Fünf­tel schu­fen die struk­tu­rel­len Vor­aus­set­zun­gen zur Neu­be­sied­lung des Gebiets mit deut­schen Sied­lern aus dem Hei­li­gen Römi­schen Reich. Bereits Her­zog Hein­rich I. und sei­ne Frau Hed­wig von Andechs hat­ten zu Beginn des 13. Jahr­hun­derts deut­sche Ost­sied­ler nach Schle­si­en geru­fen, um die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­kraft des Her­zog­tums zu heben. Nach dem Mon­go­len­sturm erfolg­te die von den Schle­si­schen Pias­ten initi­ier­te Deut­sche Ost­ko­lo­ni­sa­ti­on jedoch auf brei­ter Basis. Die deut­schen Sied­ler grün­de­ten mehr als 100 neue Städ­te und über 1200 Dör­fer nach deut­schem Recht sowie vie­le Kir­chen und Hos­pi­tä­ler. Auch die ursprüng­li­chen sla­wi­schen Sied­lun­gen pass­ten sich zum gro­ßen Teil recht­lich, sozi­al und sprach­lich den deut­schen Sied­lun­gen an. Die Sied­ler stamm­ten über­wie­gend aus dem ost­frän­ki­schen Sprach­raum, aber auch aus Sach­sen, dem öst­li­chen Thü­rin­gen und aus Nie­der­ös­ter­reich, aus dem Glat­zer Land und Ober­schle­si­en sowie aus der Gegend von Ful­da in Hes­sen. Der Dia­lekt der deut­schen Schle­si­er wur­de daher zu einer Mund­art, die thü­rin­gisch-ober­säch­si­sche, mit­tel­bai­ri­sche und hes­si­sche Merk­ma­le ver­ein­te. (Bild: Mon­go­len­schlacht bei Lie­gnitz, in der am 9. April 1241 ein mon­go­li­sches Heer eine pol­nisch-deut­sche Streit­macht besieg­te. Dar­stel­lung aus dem 14. Jahr­hun­dert.)

Die Bevöl­ke­rung wuchs auf min­des­tens das Fünf­fa­che. Schle­si­en war jahr­hun­der­te­lang eine Brü­cke zwi­schen West und Ost sowie zwi­schen Nord und Süd. Ab 1249 zer­fiel das Her­zog­tum Schle­si­en und ab 1281 das Her­zog­tum Oppeln in zeit­wei­lig mehr als ein Dut­zend klei­ne, mit­ein­an­der im Bru­der­krieg lie­gen­de pias­ti­sche schle­si­sche Her­zog­tü­mer. Wäh­rend die­ses Macht­va­ku­ums ver­such­ten Ende des 13. Jahr­hun­derts böh­mi­sche Köni­ge und spä­ter das unter den kuja­wi­schen Pias­ten, den Nach­kom­men Her­zog Kasi­mirs II. „des Gerech­ten“, wie­der geein­te König­reich Polen die inzwi­schen fak­tisch unab­hän­gi­gen schle­si­schen Her­zog­tü­mer ihrem jewei­li­gen Supre­mat zu unter­wer­fen.


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