Gedanken unseres Bundesvorsitzenden

Ste­phan Rau­hut: Was haben wir schon erreicht, wel­che Ziele wol­len wir errei­chen?

Zu Beginn eine kurze Erin­ne­rung: Vor Vier­ein­halb Jah­ren, als ich das Amt des Bun­des­vor­sit­zen­den über­nom­men habe, stand unser Bun­des­ver­band der Lands­mann­schaft am Rande der Insol­venz. Die weit ver­brei­tete Stim­mung war die, dass das Ende unse­rer einst schlag­kräf­ti­gen Orga­ni­sa­tion begon­nen hat. Mehr und mehr Grup­pen lös­ten sich auf, weil es keine Vor­stände mehr gab oder weil die Fan­ta­sie dafür fehlte, wie wir nicht nur unsere alten Mit­glie­der beim Lan­des– und Bun­des­ver­band hal­ten, son­dern auch neue Mit­glie­der der jün­ge­ren Gene­ra­tion für uns gewinnen.

Bereits seit 1990 erhiel­ten wir durch unser Paten­land Nie­der­sach­sen keine regel­mä­ßig wie­der­keh­rende finan­zi­elle För­de­rung mehr und gerie­ten dadurch in den letz­ten drei Jahr­zehn­ten im Ver­gleich zu ande­ren Lands­mann­schaf­ten ver­gleich­ba­rer Größe ins Hin­ter­tref­fen. In Öffent­lich­keit und Poli­tik wur­den wir ent­we­der gar nicht wahr­ge­nom­men oder die Bericht­er­stat­tung war nega­tiv und führte dazu, dass unser „Image“ sich wei­ter ver­schlech­terte. Neue Mit­glie­der oder Abon­nen­ten für die „Schle­si­schen Nach­rich­ten“ waren dadurch noch schwie­ri­ger zu gewinnen.

Der Neu­an­fang 2013 war schwer und für man­che schmerz­haft. Und doch glaube ich, haben wir seit­her den Zusam­men­halt und die Stim­mung in unse­rer Gemein­schaft ver­bes­sern kön­nen. Viele unse­rer ehren­amt­lich Täti­gen haben daran einen Anteil. Beson­ders Dank des aus­ge­zeich­ne­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ta­len­tes unse­res Bun­des­ge­schäfts­füh­rers und sei­ner Mit­ar­bei­te­rin­nen haben wir es gemein­sam geschafft, dass die letz­ten bei­den Deutsch­land­tref­fen der Schle­sier in Han­no­ver 2015 und 2017 erst­mals seit Jahr­zehn­ten ohne Ver­luste abge­schlos­sen wer­den konn­ten. Auch das Erschei­nungs­bild unse­res Ver­bands­ma­ga­zins „Schle­si­sche Nach­rich­ten“ konnte stän­dig ver­bes­sert wer­den und erfreut sich stei­gen­der Beliebt­heit. Wäh­rend unser Maga­zin bis 2013 stets ein Zuschuss­ge­schäft war, konnte es in den letz­ten drei Jah­ren durch stei­gende Über­schüsse dazu bei­tra­gen, unsere Auf­ga­ben zu finan­zie­ren und unse­ren Ver­pflich­tun­gen nachzukommen.

Kon­se­quen­ter Kon­takt­auf­bau in der Bun­des– und Lan­des­po­li­tik haben dazu geführt, dass unsere Lands­mann­schaft Schle­sien heute wie­der ein ernst genom­me­ner Ansprech­part­ner ist. Wir konn­ten Miss­ver­ständ­nisse und nega­tive Ein­stel­lun­gen aus­räu­men und haben somit einen wesent­li­chen Anteil daran, dass auch eine ange­mes­sene staat­li­che För­de­rung unse­rer Bun­des­ge­schäfts­stelle und unse­rer Arbeit künf­tig wie­der erwar­tet wer­den kann. Erst­mals in der Geschichte ist die För­de­rung der Arbeit der Lands­mann­schaft Schle­sien nament­lich in einem Koali­ti­ons­ver­trag erwähnt, wie in unse­rem Paten­land Nie­der­sach­sen im Koali­ti­ons­ver­trag zwi­schen SPD und CDU. Das die Erwar­tungs­hal­tung bei­der Regie­rungs­par­teien eine Prä­senz der Lands­mann­schaft in Nie­der­sach­sen ist, bie­tet uns neue und zusätz­li­che Mög­lich­kei­ten von Han­no­ver aus unsere Lan­des­gruppe Nie­der­sach­sen dabei zu unter­stüt­zen, junge und alte Schle­sier in unse­rem Paten­land für die Mit­glied­schaft bei uns zu begeis­tern. Bei mehr als 720.000 Schle­si­ern, die nach der Ver­trei­bung dort gelan­det sind, bin ich sicher, einige aus der Kin­der– und Enkel­ge­ne­ra­tion für ein Mit­strei­ten bei uns begeis­tern zu können.

Als einer der ers­ten Ver­bände über­haupt und als ers­ter und bis­her ein­zi­ger Ver­trie­be­nen­ver­band wurde unsere Bun­des­füh­rung vom neuen Minis­ter­prä­si­den­ten von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet emp­fan­gen. Das Paten­land der Ober­schle­sier hatte einst einen stol­zen und den stärks­ten Lan­des­ver­band in unse­rer Lands­mann­schaft. Wenn wir gemein­sam mit unse­ren Lands­leu­ten der Lands­mann­schaft der Ober­schle­sier eines Tages ein Zusam­men­ge­hen zu einer stär­ke­ren Lands­mann­schaft errei­chen kön­nen, so sagte uns der Minis­ter­prä­si­dent zu, würde das Land Nordrhein-Westfalen dies mit einer ent­spre­chen­den För­de­rung unter­stüt­zen. Eine wei­tere Per­spek­tive für die Siche­rung unse­rer Arbeit.

Durch die Wei­ge­rung des Lan­des­ver­ban­des Nordrhein-Westfalen in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren, seine Bei­träge an den Bun­des­ver­band abzu­füh­ren, sind etli­che Kreis­grup­pen mit einer Mit­glie­der­zahl von rund 700 Lands­leu­ten aus­ge­tre­ten und haben sich direkt dem Bun­des­ver­band ange­schlos­sen. So trau­rig der Abge­sang des einst so stol­zen Lan­des­ver­ban­des ist, so klar und posi­tiv wird doch auch sicht­bar, dass eine wesent­li­che Zahl von Mit­glie­dern noch näher an uns her­an­ge­rückt ist und dadurch auch direk­ter auf der Bun­des­de­le­gier­ten­ver­samm­lung mit Sitz und Stimme ihre Inter­es­sen wahr­neh­men kann.

Ein drit­tes Bun­des­land steht im Focus mei­ner Rei­se­tä­tig­keit. Der Frei­staat Sach­sen mit dem Lan­des­teil unse­rer schle­si­schen Ober­lau­sitz und der wun­der­schö­nen Stadt Gör­litz wird noch stär­ker als bis­her mit der Prä­senz des Bun­des­ver­ban­des zu rech­nen haben. Mit wei­te­ren schle­si­schen Orga­ni­sa­tio­nen sind wir im Gespräch, um einen gemein­sa­men Anlauf­punkt als Schle­si­sches Kom­pe­tenz­zen­trum oder Schau­fens­ter in Gör­litz ins Leben zu rufen. Dies bie­tet nicht nur die Mög­lich­keit, die ohne­hin vor­han­de­nen Kos­ten zu tei­len und zu sen­ken, son­dern auch durch gemein­sa­mes Auf­tre­ten Syn­er­gien zu wecken für neue Akti­vi­tä­ten und Ver­an­stal­tun­gen in der nie­der­schle­si­schen Ober­lau­sitz und somit klar das schle­si­sche Pro­fil der Region zu stär­ken. Und das Inter­esse des Frei­staa­tes Sach­sen und der Stadt und des Krei­ses Gör­litz an einer Stär­kung der Region liegt auf der Hand.

Selbst­ver­ständ­lich wer­den man­che finan­zi­elle Inves­ti­tio­nen für eine moderne und zukunfts­fä­hige Orga­ni­sa­tion aller Schle­sier not­wen­dig sein. Doch ohne Inves­ti­tio­nen in die Zukunft wird es keine Ent­wick­lung geben. Ein Bauer der nicht sät, wird auch nicht ern­ten. In die­sem Sinne bitte ich Sie und Euch, uns wei­ter treu zu sein und zu unter­stüt­zen. Nicht nur dabei sein ist alles, son­dern vor allem Mit­ma­chen und Mit­den­ken. Es bleibt meine Bot­schaft an Sie: Kein Mit­glied darf ver­lo­ren gehen, auch wenn sich mal eine Orts– und Kreis­gruppe auf­lö­sen muss. Recht­zei­tig bevor eine Auf­lö­sung droht, müs­sen alle ande­ren Mög­lich­kei­ten aus­ge­lo­tet wer­den und gere­gelt wer­den, statt einer Auf­lö­sung eine Umwand­lung der Mit­glied­schaft beim Lan­des– oder Bun­des­ver­band anzu­stre­ben. Das gilt auch für viele Hei­mat­ge­mein­schaf­ten, die außer­halb der Lands­mann­schaft ste­hen und denen jetzt in Ein­sam­keit die Auf­lö­sung droht. Eine stär­kere Bin­dung aller Schle­sier an unsere Orga­ni­sa­tio­nen erfolgt erfah­rungs­ge­mäß auch, wenn es regel­mä­ßige Infor­ma­tio­nen durch den Bezug unse­rer Ver­bands­zeit­schrift „Schle­si­sche Nach­rich­ten“ gibt. Das bestä­tigt sich auch bei ande­ren Lands­mann­schaf­ten. Die Zurück­hal­tung von eini­gen Lan­des­ver­bän­den, alles dafür zu tun, den Beschluss der Bun­des­de­le­gier­ten­ver­samm­lung umzu­set­zen, die „Schle­si­schen Nach­rich­ten“ zu einem Maga­zin für alle Mit­glie­der zu machen und die­ses allen zukom­men zu las­sen, ist des­halb völ­lig unver­ständ­lich. Diese Lan­des­ver­bände neh­men sich ein wich­ti­ges Ele­ment zur Mit­glie­der­ge­win­nung und zur pro­fes­sio­nel­le­ren Infor­ma­tion ihrer Mit­glie­der. Und – nicht zu ver­ges­sen – eine höhere Auf­lage unse­rer Zeit­schrift führt zu sin­ken­den Prei­sen für Abon­nen­ten, zu mehr Anzei­gen, zu einem höhe­ren Bekannt­heits­grad und in der Ten­denz zu nied­ri­ge­ren Mit­glieds­bei­trä­gen an den Bundesverband.

Zei­gen wir nach innen und außen Geschlos­sen­heit und Zuver­sicht. Einer sym­pa­thi­schen und offen­si­ven Lands­mann­schaft Schle­sien wer­den Spon­so­ren lie­ber spen­den als einer zer­strit­te­nen und aus­schließ­lich auf die Bewah­rung der Asche aus­ge­rich­te­ten Organisation.


ps Pres­se­dienst Schle­sien Nr. 04/2018
Pres­se­in­for­ma­tio­nen der Lands­mann­schaft Schle­sien — Nie­der– und Ober­schle­sien e.V.
Bun­des­ge­schäfts­füh­rung: Dol­len­dor­fer Str. 412, 53639 Königs­win­ter
Tel.: (02244) 9259–0, Fax: (02244) 9259–290
E-Mail: presse@landsmannschaft-schlesien.de

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