Erfolgreiches Erntedankfest in Berlin

Erfolgreiches Erntedankfest in BerlinDas 66. Ern­te­dank­fest am 12. Sep­tem­ber 2015 fand wie in den bei­den Vor­jah­ren im Fest­saal des Rat­hau­ses Ber­lin-Char­lot­ten­burg statt. Flei­ßi­ge Hän­de hat­ten den Saal für die­ses Fest in einen Schle­si­en­saal ver­wan­delt, um ihm die nöti­ge Wür­de zu geben.

Tra­di­tio­nell begann die Ver­an­stal­tung mit dem Ein­zug der Fah­nen Schle­si­en und Ober­schle­si­en (dies­mal mit schwung­vol­ler Horn­be­glei­tung von Herrn Mil­ke­reit) und dem Ein­zug der Ern­te­kro­ne durch die Trach­ten­grup­pe Rübe­zahl, Lei­tung Herr Gnie­se­witz. Unter der Ern­te­kro­ne sprach Herr Gnie­se­witz im schöns­ten schle­si­schen Dia­lekt die Wei­he­wor­te zum Ern­te­dank­fest. Mit dem Lied

„Nun dan­ket alle Gott“, unter Beglei­tung von Kir­chen­mu­si­ker Mil­ke­reit am Flü­gel, wur­de das Ern­te­dank­fest ein­ge­lei­tet. Nach kur­zen Hin­wei­sen durch Mode­ra­tor Wei­nert über den Ablauf und Begrü­ßung der Gäs­te durch den Lan­des­vor­sit­zen­den Wal­ter Zain begann nach altem Brauch die christ­li­che Ern­te­dank-Andacht. Ein­ge­lei­tet wur­de sie mit dem Lied „Ich bete an die Macht der Lie­be“ von Dimi­tri Bort­ni­an­sky.

Erfolgreiches Erntedankfest in BerlinDie Lit­ur­gie mit Anspra­che fei­er­te unser Lands­mann Pas­tor Gün­ter Knecht von der evan­ge­li­schen Kir­che. Lei­der muss­te der katho­li­sche Geist­li­che Johan­nes Urbisch wegen eines plötz­li­chen Herz­an­falls ins Kran­ken­haus. Er war der ein­zi­ge katho­li­sche Pfar­rer, der der LMS eine fes­te Zusa­ge für die­ses Fest gab.

Die anschlie­ßen­de Fest­re­de hielt der Kul­tur­re­fe­rent der LMS, H. Wei­nert. In die­ser Rede zog er einen gro­ßen Bogen, begin­nend mit der Betrach­tung der Ern­te­zeit aus heu­ti­ger Sicht, wo Gewinn­ma­xi­mie­rung im Vor­der­grund steht ohne Rück­sicht auf Lang­zeit­fol­gen in der Natur. Herr Wei­nert stieg in die Geschich­te ein und zitier­te das Lob­lied eines rus­si­schen Wis­sen­schaft­lers vor 100 Jah­ren auf die deut­schen Bau­ern als Besieg­ter der Wild­nis. Er zeig­te auf den Stand der Bear­bei­tungs­tech­nik unse­rer Vor­fah­ren die bereits den boden­wen­den­den Räder­pflug mit Pflug­schar  kann­ten und damit in der Land­tech­nik allen Nach­barn über­le­gen waren.

Der Red­ner wies auch dar­auf hin, dass Miss­brauch der Natur sich lang­fris­tig immer rächt und erin­ner­te in die­sem Zusam­men­hang an Raul Fran­cè und an den Arzt Dani­el Schre­ber (Schre­ber­gar­ten), die -lei­der ver­ges­sen- die Väter des Natur­schut­zes sind. Ern­te­dank in Klein­gar­ten­sied­lun­gen zu fei­ern, ist nur fol­ge­rich­tig. Ange­spro­chen wur­den die Nöte und Sor­gen der Bau­ern und ihr Kampf mit den Lau­nen der Natur. Bitt­gän­ge um gutes Wet­ter zu Kreu­zen und Gebets­stö­cken an den Fel­dern waren beson­ders in der Graf­schaft Glatz sowie in Ober­schle­si­en üblich.

Dass lang andau­ern­de, wie­der­hol­te Miss­ern­ten Men­schen zum Ver­las­sen der Hei­mat zwin­gen, bewies er am Bei­spiel der Fla­men, die zum gro­ßen Teil in Flä­ming (südl. von Ber­lin), aber auch spä­ter im Wart­he­land und im schle­si­schen Nei­der­land (Wein­bau) ange­sie­delt wur­den.

Mit Nach­druck unter­strich der Vor­tra­gen­de: Gegen Schick­sals­schlä­ge der Natur kann sich der „klei­ne Mensch“ nur bedingt schüt­zen; die gehö­ren zur Welt seit es die­se gibt. Aber von Men­schen absicht­lich her­bei­ge­führ­te Schick­sals­schlä­ge (nur, um ande­ren zu scha­den, oft noch nach Ein­stel­lung der Kampf­hand­lun­gen) wie geziel­tes Ver­hun­gern las­sen, zer­stö­ren der Ern­ten, ver­gif­ten von Fel­dern des Unter­le­ge­nen sind nicht nur Ver­bre­chen an Men­schen; es sind Ver­bre­chen wider die Schöp­fung und ihren Schöp­fer.

Auch in Schle­si­en gab es wet­ter­be­ding­te Ern­te­aus­fäl­le. Zum Glück waren die­se ört­lich begrenzt, folg­lich Hun­ger­zei­ten sel­ten. Der schle­si­sche Boden ernähr­te sogar 2 Mio. Men­schen mehr als das Land Ein­woh­ner hat­te („Gol­de­ner Über­fluss Schle­si­ens“).

Natür­lich war in Schle­si­en -wie anders­wo- die Zeit der Ern­te Höhe­punkt des Jah­res­lau­fes. Die Zuhö­rer erhiel­ten Ein­blick in die dort gepfleg­ten Ern­te­bräu­che und den Beweis, dass Schle­si­er fei­ern konn­ten. Dabei soll es zuwei­len recht locker zuge­gan­gen sein.

Der Fest­red­ner schloss sei­ne Aus­füh­run­gen mit einem Zitat von Kir­chen­re­for­ma­tor Dr. Mar­tin Luther, der „ob der Pras­se­rei und Unzucht“ sich ver­an­lasst sah zu ver­lan­gen (Luther wört­lich):

„Dero­hal­ben christ­li­che Obrig­keit von Amts­we­gen die Kirch­weih­fes­te, solch säu­isch Gefräst  und unor­dent­lich Leben, bil­lig abzu­schaf­fen und mit har­ter Stra­fe weh­ren soll“. Glück­li­cher­wei­se konn­te sich Luther damit nicht durch­set­zen.

Mit der Erin­ne­rung an das Lied:‘s woar imm‘r asu“ und dem Rie­sen­ge­birgs­gruß „Do labt ok sis­se“ ver­ab­schie­de­te sich der Red­ner- was fast im Bei­fall unter­ging.

Nach dem Fest­vor­trag begann der bun­te Rei­gen. Tra­di­tio­nell lädt die LMS immer Gäs­te ein. So erfreu­te die deutsch-rus­si­sche San­ges- und Musik­grup­pe Jah­res­rin­ge (Lei­tung Frau Heinz) mit einem brei­ten Pro­gramm deut­scher und rus­si­scher Lie­der und Musik­stü­cke das Publi­kum.

Erfolgreiches Erntedankfest in BerlinDie Trach­ten­grup­pe der Pom­mer­schen Lands­mann­schaft Ber­lin (Lei­tung Frau Ziel­ke) prä­sen­tier­te Tän­ze aus den ver­schie­dens­ten Gegen­den Pom­merns unter dem Mot­to: “Bun­tes aus den Dör­fern der alten Hei­mat“. Dabei erläu­ter­te Frau Ziel­ke die Beson­der­hei­ten der unter­schied­li­chen Trach­ten. In der Pau­se wur­de zur Stär­kung ein reich­hal­ti­ges Ange­bot schle­si­scher Spe­zia­li­tä­ten emp­foh­len. Flei­ßi­ge jun­ge Leu­te sorg­ten für zügi­gen Ablauf. Beim Dublet­ten­ver­kauf von Hei­mat­bü­chern aus unse­rer Schle­si­schen Biblio­thek konn­ten Ken­ner und Lieb­ha­ber gute Bücher zum güns­ti­gen Preis erwer­ben. Erst­mals wur­den Kunst­sti­cke­rei­en in schle­si­scher Weiß­sti­cke­rei ange­bo­ten.

Abschluss des Schle­si­schen Ern­te­dank­fes­tes war das gemein­sa­me Sin­gen des Lie­des „Kein schö­ner Land“ unter musi­ka­li­scher Beglei­tung der deutsch-rus­si­schen San­ges- und Musik­grup­pe Jah­res­rin­ge; dazu hat­ten sich alle Mit­glie­der der Trach­ten­grup­pe der Pom­mer­schen Lands­mann­schaft auf der Büh­ne in einer Rei­he auf­ge­stellt.

Abschieds­wor­te: Herr Wal­ter Zain, Lan­des­vor­sit­zen­der der LMS in Ber­lin, wobei er alle Mit­glie­der des Vor­stan­des vor­stell­te. Durch das Pro­gramm führ­te in bewähr­ter Wei­se der Geschichts- und Kul­tur­spe­zia­list der LMS, H. Wei­nert.

W.Z./SN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.